SPD-Spitzenkandidat Albig vermisst beim Bundespräsidenten Stolz und Würde

Der designierte Spitzenkandidat der SPD in Schleswig-Holstein, Torsten Albig, hat Bundespräsident Christian Wulff (CDU) Stolz und Würde abgesprochen. Wulff „tut einem leid“, sagte Albig in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Focus“. „Ich hätte ihm gewünscht, dass er einen Weg findet, in Würde aus dem Amt zu gehen.“

Er frage sich, warum Wulff an seinem Stuhl klebe, was die Triebfeder sei. „Nur die Tatsache, dass er sich allein über seine abstrakte Macht definiert und sogar seinen Stolz dafür aufgibt?“ Auf einem SPD-Landesparteitag am 3. Februar in Lübeck wollen die Delegierten Albig zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 6. Mai küren. Im vorigen Jahr hatte sich der Kieler Oberbürgermeister in einer Urwahl klar gegen Landesparteichef Ralf Stegner durchgesetzt. Albig sagte „Focus“, „viele“ hätten ihm damals geraten, Stegner „zum Rücktritt zu zwingen“. Das aber hätte die Partei geschwächt, weil sich viele Stegner-Anhänger zurückgezogen hätten. Für Stegner sei es damals „ein ganz schwerer Tag gewesen“. Er habe „keinen Grund“ gesehen, ihn „zusätzlich zu demütigen“, so Albig. Albig war bis 2009 Sprecher des damaligen Bundesfinanzministers Peer Steinbrück. Zuvor hatte er auch für dessen Vorgänger Hans Eichel und Oskar Lafontaine gearbeitet. Von Lafontaine zeigte sich Albig im „Focus“-Interview schwer enttäuscht. Im Jahr 2003 habe er seinen einstigen Vorgesetzten zum letzten Mal getroffen. Lafontaine habe bei dem privaten Treffen zu verstehen gegeben, dass er sich für deutlich intelligenter halte. „Von da an war er mir egal“, so Albig.